Dienstag, 07. Februar 2012, 20:22
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Teil 3 / Fehlende Fakten zur Bonus-Kultur

Teil 3 / Fehlende Fakten zur Bonus-Kultur


Seit gut zweieinhalb Jahren hat sich die Bonusberichterstattung zum Evergreen in den Medien entwickelt. Es gibt inzwischen randvolle Archive zur Bonushysterie. Ungeachtet  des genannten Journalisten als Artikelautor, gehe ich davon aus, dass Praktikanten und Vorzugssekretärinnen – pardon gibt es ja nicht mehr – also Vorzugsassistentinnen die wiederkäuenden Berichte als Ghostwriter Test verfassen dürfen. Abgesehen von jeweils neuen Zahlen zu jeweils brandaktuellen Bonusvorfällen, gibt es ja nichts Neues zu vermelden.

Im eigenen und in fremden Archiven ist alles vorhanden. Herumwühlen und ein anschliessendes Mash up genügen, um wieder einen wertvollen redaktionellen Text unter die Leute bringen zu können. Der keine neuen Erkenntnisse vermittelt, jedoch billige Lesebedürfnisse befriedigt. Billig deshalb, weil im Archiv entsorgte Artikel eigentlich tot sind. Wird diesen Zeilen neues Leben eingehaucht, ist dies so kostengünstig wie der Billigsteinsatz von schwarzen Asylanten zum Spargelernten und wenn damit alle in der Leserschaft vertretenen Intelligenzsegmente bedient werden können, ist dies aus der Kosten-Nutzen-Sicht des Verlags geradezu als Geniestreich anzusehen.

Vom Autoreifenmonteur bis zum Zyankaliforscher mit ETH Abschluss und Zweitpromotion in  Volkswirtschaft in St. Gallen, werden Leser erreicht und NeFru-Bedürfnisse bedient. Mit Neid und Frust entsteht der Kitt, der unterschiedliche soziale Klassen nahtlos eint, wenn ein gemeinsames Feindbild vorhanden ist. So unterschiedlich diese Leute in allen herkömmlichen Gesellschaftsbelangen auch sein mögen, der NeFru-Kitt eint und verbindet sie. Arbeiter und Akademiker, die üblicherweise in einer widersprüchlichen und bei den Interessen divergierenden Gesellschaft leben, besitzen plötzlich gemeinsam die Fähigkeit, jede Art von Null-Bock-Stimmung, von Arbeitsfrust über Beziehungsstress bis hin zu Zeitendumm, schnell und gratis los zu werden.

Die gesalbten und geölten Bonusschimpftiraden in den Medien wirken wie ein Zaubermittel: die Bonuslektüre vermittelt die wohltuende Erkenntnis, dass der persönlich wahrgenommene körperliche, psychische, physische Bemitleidungszustand, in einem direkten Zusammenhang mit den unverdienten Boni-Zahlungen an die Bangsterklasse  steht. Seelenqual, Sexnotstand, Übergewicht, Pillenpanne und Viagra-Versagen, alles wäre halb so schlimm, wenn nur nicht die Banker das Geld im Schlaf verdienen würden. Der Neid über das unverdiente Glück der Anderen, vergiftet die Seele, führt zur Scheuklappensicht und verdrängt die Einsicht über die eigenen Stärken und Schwächen. Es wird vergessen, dass in der Regel man / frau  ihren Beruf  aus einer inneren Überzeugung heraus gewählt haben und dies unter Berücksichtigung von vorhandenen wertvollen Persönlichkeitsmerkmalen, die in den Beruf als Bonuskriterium eingebracht werden können.

 Aus dieser Kombination kann (sollte) sich Lebensqualität ergeben. Lebensqualität kann z. B. geregelte Freizeit bedeuten, die Möglichkeit viel Zeit mit Frau und Kindern verbringen zu können, nach Feierabend keinen Gedanken an Pendenzen oder die Firma im Allgemeinen zu verschwenden, Arbeit im Freien, täglich eine Buchstabensuppe anrühren zu dürfen, etc. Es hat doch unzählige Gründe, warum ein Arbeitsplatz, damals als man noch freiwillig wählen konnte, nicht infrage kam. Gut, es gibt noch diejenigen, die gewollt hätten aber nicht genommen wurden, aber dies ist ja so von normal in allen Bereichen im Leben, dass ich darüber keine Worte verlieren will. 

Die Bonusgetrieben können von den Freiheiten der Bonuslosen, von dieser Art Lebensqualität, nur träumen. Während die Bonuslosen von der Wettervorhersage für den nächsten Tag in Versuchung gebracht werden, ob ein spontanes Schönwetterprogramm gut für den leeren Akku sein könnte, sind die Bonuskämpfer Knechte der Märkte, Sklaven der Zahlen-Galeere d.h. rudern ohne Ende und ohne zu wissen ob das vom Kapitän gesetzte Ziel erreicht wird und wenn ja, ob die Schinderei letztlich lohnt. Die fehlende Lebensqualität wird zuerst verdrängt und dann kompensiert, durch den Neid der Bonuslosen auf die kleine Schar  der Bonusritter, die als Sieger der Bonus -Olympiade im glitzernde Medien-Rampenlicht geehrt und zur Vorzeige-PR-Figur aufgeblasen werden, damit sich die besten der Uni und FH Absolventen freiwillig um die Aufnahme als Galeerensklave bewerben.

Ja der Neid der Gesellschaft ist die Schoggiseite im Leben der Bonussklaven, die sonst völlig arme Sieche sind. Sie arbeiten hart und rücksichtslos (bezieht sich auf die eigene Gesundheit) zum Wohl der Aktionäre ihrer Bank, unter denen Pensionskassen gewichtig vertreten sind, die wiederum vom Autoreifenmonteur bis zum Zyankaliforscher, alle ehrlichen und moralisch rechtschaffenen Berufsgruppen vertreten. Die BVG-Versicherten vertrauen darauf, dass ihre honorigen PK-Vertreter, die PK-Gelder ohne Risiko aber mit viel Rendite anlegen, damit dereinst eine reichlich sprudelnde PK-Rente dafür sorgt,  im Rentenparadies den Lebensabend  erleben zu dürfen.

Der Gedanke daran wärmt. Die Aussicht darauf hilft, die Bonuskämpfer als notwendiges Übel zuzulassen, denn letztlich braucht es die hemmungslosen Banker, damit aus wenig Geld mehr Geld wird, die Geldadern so optimiert werden, dass es zu möglichst wenig Umlaufverlust kommt und grundsätzlich, woher sollen denn die heissen Anlagetipps kommen, wenn nicht vom persönlichen Vertrauensbanker. Wie das Trüffelschwein, ist der erfolgreiche Banker ständig unterwegs, um seine Nase immer wieder in Übles zu stecken, auf der Suche nach der ertragreichen Goldader für die Bankkunden, die im Alltag ganz normale und honorige Bürger sind, die gerne immer und überall lauthals über die Bangster schimpfen.

 Ich würde lügen, würde ich daran etwas verwerflich finden, denn wer in der heutigen Gesellschaft wünscht sich nicht Einzug in jenes Paradies, wo man über Geld nicht mehr spricht, weil man es hat.


Teil 4 und Schluss zum Thema Bonus-Kultur befasst sich mit dem Bonus-System, mit dem sehr viel Geld in der Bankindustrie gespart wird, zu einem Negativ-Image-Preis, der untragbar geworden ist.
 

Hier die angekündigten sechs Schlagzeilen (Titel 13 bis 18 von 18)
M) Credit Suisse passt Struktur für Boni-Zahlungen an 
20.10.2009 NZZ Online
N) So will die UBS künftig Boni ausrichten
25. Oktober 2009, NZZ am Sonntag
O) «Bonus-Debatte ist oberflächlich»
Tages-Anzeiger 31.10.2009
P) Regulierung - US-Banken warnen vor Zweiklassensystem bei Boni
20. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung
Q) Goldene Käfige bei UBS - Die UBS führt in den USA ein zusätzliches Bonusprogramm ein / 13. Dezember 2009, NZZ am Sonntag
R) Leistungsanreize für Banker - Kleinere Boni freuen den Finanzminister nicht in jedem Fall
20. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung

Ersteintrag in der Zeit nach dem 10. 03.2010
Aktualisierung wegen System Crash 25.03.2010
Klicks vor dem Crash ca. > 250

25.03.2010, 00:01 von Relax-Senf | 3705 Aufrufe
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