Mittwoch, 08. Februar 2012, 16:52
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Personenkult - Beneiden Sie Stars? Möchten Sie ein Leben als Star?

Personenkult - Beneiden Sie Stars?
Möchten Sie ein Leben als Star?


Ausgangspunkt für diesen Beitrag ist der SZ Artikel zum Personenkult  sowie der Kommentar von Mycomfor Nutzerin Karin.

"Die Friedhöfe sind voll von unentbehrlichen Leuten, aber die Welt dreht sich dennoch weiter."


@ Karin: Deine Sicht gehört für mich zu den Feststellungen, dass es im Leben fair zugeht. Beim Aufenthalt am gleichen Ort, gibt es nicht unterschiedliches Wetter abhängig von der Einkommensklasse. Und genauso gerecht geht es bei der Unentbehrlichkeit zu. Es wird keiner vorher gefragt ob er/sie abtreten will. Es herrscht die Gleichbehandlung vor. wie an der Börse. Es wird nicht geklingelt zum Einsteigen an der Börse bevor sich der Kurszug in Bewegung setzt.

Eine Spur Sarkasmus, die hier aufgezeichnet wird! Ja, es ist der Grund, warum der Coach mir den Ball zuspielte, um etwas zum Thema zu schreiben. Was ich gerne mit der Wertung eröffne, dass der SZ Artikel lesenswert ist, sofern man den Beitrag nicht einfach liest ohne darüber zu reflektieren. Genau dies versuche ich mit meinem Blog Beitrag. 

Die Rolle der Medien ist klar. Sie machen Stars.  Die Vorstufe bevor Einzelstars den ultimativen Schritt auf den Beachtungsolymp schaffen. Wer es nur mit Leistung schafft, wird dort lange bzw. ohne Verfalldatum einen Platz haben. Wer seinen Strohfeuer-Promi-Status mit Home Stories fördert und mit inszenierten Skandalchen und „so what“ Skandalen ins Scheinwerferlicht stellt, verschwindet bei Fehlleistung und fehlender Leistung eher schnell wieder im Dunkeln der Nichtbeachtung. Höchststrafe für Menschen die sich im Rampenlicht gesuhlt und dabei Dreck produziert haben, den sie nicht mehr los werden. Wer nur wegen Dreck und dreckigen Geschichten im Gedächtnis haften bleibt ist ein Loser und bezahlt für den Personenkult mit einer lebenslangen Strafe der Schubladen-Kategorisierung. Diese Wahrnehmung durch die Gesellschaft ist trotz Mehrheitssicht nicht immer gerecht. Die Verstossung kann so übertrieben und ungerechtfertigt sein, wie die vorausgehende Bewunderung. Aber das Leben ist nicht immer fair, ausser bei den zwei am Anfang erwähnten Beispielen.

Menschen sehnen sich nach Zärtlichkeit und nicht anders ist das grundsätzliche Verlangen nach Aufmerksamkeit und Beachtung durch das engere und grössere soziale Netzwerk. Positives Interesse der Öffentlichkeit am eigenen Wirken, am eigenen Auftritt, ist ein menschlicher Urtrieb. Kinder tun es ohne Anleitung in jeder Lebensphase. Sind es unsere Kinder oder Enkel, nehmen wir es mit Wohlwollen und Stolz wahr. Sind es die Kinder Dritter, verändert sich unsere Wahrnehmung. Wir unterscheiden zwischen Herz erwärmenden  Bildern und negativen Eindrücken, je danach ob unsere Favoriten beim ständigen Wettbewerb,  im Getümmel  auf den vorderen oder den hinteren Plätzen auszumachen sind. Eine neutrale Sicht nehmen wir nur dann ein, wenn wir es beim Start des „ICH will gewinnen Kampfes“ mit lauter Unbekannten zu tun bekommen. Dieser selektive Signalempfang findet ununterbrochen statt und bestimmt das Bild von Personen, wie wir es in unserem Kopf entstehen lassen.

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass es immer sowohl das Lager der Bewunderer als auch der Ablehner für Personen gibt. Wobei es mir scheint, dass der beliebte Manager seinen Statusbonus durch gute Führung und Wissensvorsprung erreicht, während der nach „persönlichem Sympathiebonus“ gewählte Politiker eine Fehlbesetzung für die Wahrnehmung eines politischen Mandats sein kann. Der eventuell „äusserlich nicht attraktive“ Manager, in seine Funktion eingesetzt und nicht vom Team gewählt, wird wegen seiner Sachqualitäten von den Mitarbeitenden geschätzt. Der „äusserlich attraktive“ Politiker, im Wettbewerb angetreten, wird trotz Sachdefiziten von den Stimmbürgern gewählt. Parteien müssen daher „äusserlich attraktive“ Kandidaten aufstellen. Firmen können und werden die Personen zum Manager befördern, die am Besten für die Aufgabe geeignet sind  (Stimmt natürlich so auch nicht 1  zu 1.) Wenn der von mir geschätzte Peter Drucker im SZ Artikel zitiert wird, dass „jene Führungskräfte die effektiveren Chefs sind, die sich selbst nicht so wichtig nehmen“ erfordert diese Aussage im Umgang mit dem Thema Personenkult folgende Ergänzung. Manager sollen sich beim Feiern von Erfolg(en) sicher zurück nehmen und das Team bzw. wo gerechtfertigt Einzelpersonen in den Vordergrund stellen. Doch auf dem Weg zum Erfolg muss der „Macher“ Manager – Impulse geben, führen, delegieren, kontrollieren – durchaus eine sichtbare Rolle „spielen“, damit die Begeisterung geweckt und erhalten bleibt bei der Gefolgschaft. Präsent sein auch in schwierigen Situationen, präsent sein, wenn die Auslegeordnung erfolgt ist und eine Führungsentscheidung erwartet wird (notwendig ist). Alle diese gelebten Fähigkeiten können zu einem "nicht gesuchten" Personenkult Status führen. 

So sind es dann auch die Medien und unser selbst gestaltetes Bild, damit sich Eigendynamik zur Gestaltung und Kultivierung von Personenkult entwickeln kann. Diese Huldigung kann eine nach Anerkennung dürstende Seele retten. Sie kann auch eine intakte Seele in eine steinerne Trümmerfeld-Seele verwandeln. Im einen Fall kommt der Erfolg nach Jahrzehnten des Wartens, des Darbens, der Ignoranz durch Alle. Im anderen Fall ist der Erfolg bereits einige Zeit her und lässt sich trotz allen Anstrengungen nicht wiederholen.

Wer ins Rampenlicht will bezahlt einen hohen Preis. Vorher und nachher. Diese Aussage liesse sich mit zahlreichen Hollywood Legenden dokumentieren. Personen die erst mit 50 und später, von ihren Gagen ordentlich leben konnten, während sie in den Jahrzehnten zuvor in WGs lebten und ständig Geld leihen – erbetteln – mussten, um über die Runde zu kommen. Hollywood kennt auch Stars, die früh zu unsagbar traumhaften Gagen gekommen sind und in der Meinung, dass dies nie ändern würde, bereits wieder mausarm waren als sie ihren pekuniären Schulden-Zustand realisierten.

Boris Becker und Steffi Graf wurden zu Tennislegenden und verdienten viel Geld. Soweit ich es zu beurteilen vermag, haben diese Tenniswunderkinder mit eiserner Disziplin und freiwilligem Verzicht auf Jugendfreizeit, Aufbau und Entwicklung ihrer Karrieren mitgetragen. Diese Traumkarrieren – von aussen gesehen – haben tausende von Eltern oder Elternteilen aus egoistischen Gründen dazu verführt, ihre Kinder zu erbarmungslosen Tennis Trainingseinheiten zu ZWINGEN. Diese namenlosen Opfer, die mit Zuckerbrot und Peitsche auf den Weg zum gesuchten Personenkult getrieben werden, sind in keiner Statistik erfasst. Ich gehe davon aus, dass es eine erschreckend hohe Opferzahl ist, die im Dunkel von elterlicher Gewalt und Eitelkeit verschwindet.

Neben den Stars aus Sport und Unterhaltung gibt es praktisch in jedem Lebensbereich erfolgreiche Personen, die es zum Star mit Personenkult Aura schaffen. Es hat Peronen darunter, die wir als Genie wahrnehmen und anerkennen. Liest man die Biografien dieser Leute, ist es immer wieder erschreckend zu lernen, welche schwarze Seite Teil des Genies war bzw. ist, für lebende Genies. Schwarze Seite steht für Eigenschaften, wie egoistisch, rücksichtslos bis hin zur Selbstgefährdung, nur auf das Erfolgsziel fokussiert unter Inkaufnahme von „seelischen Leichen“.  

Die menschlichen Qualitäten von vielen Genies lösen bei mir Abscheu aus. Trotzdem, diese exzentrischen Genies haben Spuren hinterlassen, von der Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft etc. entscheidend profitiert haben.

Denken wir daran, wenn wir die Stars mit Personenkult-Status beneiden.  Der Weg dorthin ist mit Steinen und „Minen“ gepflastert. Das Risiko das Ziel nicht zu erreichen ist gross und real.

Hat man dies als Fakt angenommen, lässt sich mit dem nach Aussen sorgsam gepflegten Spiegelbild des Erfolgs besser umgehen. Weniger Frust, weniger Neid, über diesen unverdienten und in den Schoss gefallenen Geld- und Aufmerksamkeits-Erfolg  der ANDEREN.

29.12.2009, 01:33 von Relax-Senf | 569 Aufrufe
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Kommentare

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Relax-Senf 30.12.2009, 01:04
@ Thinkabout & @ Karin: Ja, ich habe die Aussage auch so verstanden. Im Kommentartrieb aber leider in anderer Interpretation verwendet. Sorry.
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Thinkabout 30.12.2009, 00:20
Ich glaube, Karin geht es nicht nur um die Gerechtigkeit, dass der Sensenmann die Unterschiede nicht macht, die wir vielleicht gerne sehen würden. Sondern mehr um den Sinn dieser persönlichen Erkenntnis für jeden Einzelnen - und den daraus folgenden Schluss, dass man sich zeitlebens, noch "sogenannt aktiv" als ersetzbar begreift. Und zwar sofort.
In jedem anderen Fall hat der Grabstein - provokant gesagt - etwas Lächerliches an sich: Hier liegt auch einer, der seine Bedeutung am falschen Ort gesucht hat.
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