Dienstag, 07. Februar 2012, 19:57
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Fehlende Fakten zur Bonus-Kultur

Relax-Senf zu
Fehlende Fakten zur Bonus Kultur




Seit mehr als zwei Jahren ist das Thema Boni ein Dauerbrenner. Die Emotionen gehen hoch die Volksseele kocht. Wenn Sie bei mycomfor den Tag „Boni“ anklicken werden zurzeit, d.h. von Januar 2009 bis Februar 2010 ca. 90 Artikel zu diesem Begriff aufgelistet.  Hier folgt eine Auswahl der vorgefundenen Treffer, um die Medien Schlagzeilen sichtbar zu machen, die in regelmässigem Rhythmus Frust und Neid bei den Bonuslosen anstachelten.

Hier die ersten 6 von 18 ausgwählten Schlagzeilen.

A) Commerzbank und Dresdner Bank müssen Schweizer Bankern Millionen-Boni zahlen
SonntagsZeitung 10.05.2009 Peinlich, peinlich Herr Steinbrück
B) Geldsegen für die Führungsriege der Regionalbank Valiant

5. April 2009, NZZ am Sonntag
C) Ärger über Boni - Linke Tasche, rechte Tasche und zurück
FAZ.NET 28.03.2009
D) Zu tiefe Boni: In Hong Kong laufen der UBS die Banker davon
Tages-Anzeiger 11.03.2009
E) Bonusverbot - Banken befürchten Aderlass bei Topkräften
Financial Times Deutschland 30.04.2009
F) BYE, BYE BONUS - Bange Banker betteln um Jobs
Spiegel Online 04.06.2009


Unendlich viele Artikel von gescheiten Journalisten zum Thema Boni! Ist nicht längstens alles geschrieben? Das Thema ausgelutscht. Das Thema wäre ausgelutscht, wenn sich politischer Ärger und individueller persönlicher Frust bei den Steuerzahlern gelegt hätte. Das ist aber nicht der Fall, wie der erneute Aufschrei in diesen Tagen zu den Bonus-Topf-Rückstellungen von Credit Suisse und UBS gezeigt hat. Während die CS mit einem Glanzresultat dasteht, das Drittbeste in der Bankgeschichte, sieht die Situation für die UBS komplett anders aus. Die UBS muss für 2009 einen Jahresverlust von 2,74 Mrd. Franken ausweisen. Die Rückkehr in die Gewinnzone im vierten Quartal mit 1,2 Mrd. Franken freut die Aktionäre und weltweit die Finance Community. Die Nichtbanker und Steuerzahler in der Schweiz interessieren die Geschäftszahlen jedoch gar nicht, obwohl es sehr wichtig für die Staatsfinanzen ist, sondern das ausschliessliche Interesse gilt dem mit drei Milliarden gefüllten Bonus-Topf. UBS und CS wissen, dass sie mit den Rückstellungen für die Boni Wut und Verständnislosigkeit auslösen, aber es gibt in der heutigen Medien- und Kommunikations-Welt kein entrinnen.

Die Schmerzwelle fängt mit einem Stich ins Herz jedes ehrlich chrampfenden Journalisten an und das dabei empfundene Gefühl von schrecklich unterbezahlt zu sein, fliesst anschliessend in Titel und Text ein. Dadurch erreicht diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit die Leser von Online und Print News, im Wettbewerb der Darstellung der grenzenlosen Giermeldung mit Radio und Fernsehen. Diese geballte Macht von moralischer Entrüstung bei der Metapher Übermittlung – Bankster verdienen soviel Zaster, für den Abtransport braucht es einen Laster – lösen in der Bevölkerung schmerzhafte Adrenalinschübe aus. Ein unüberhörbares Wehklagen setzt ein,  wie wenn die Bürger an der Haustür von UBS Bankern mit Waffengewalt  zur Herausgabe des Portemonnaie Inhaltes gezwungen worden wären, damit der Bonus-Topf überhaupt gefüllt werden konnte.

Ist der Relax-Senf-Sarkasmus fehlt am Platz? Nein ich finde nicht und schäme mich auch nicht dafür, um dies gleich vorwegzunehmen. Es gibt eine einfache Erklärung dafür. Egal wie gross der Bonus-Topf ist, dieser Vorgang macht mein persönliches Leben weder besser noch schlechter. Dafür kenne ich andere Schlagzeilen aus den Medien, die mich persönlich immer wieder sehr nachdenklich machen. Von der Gesellschaft nach eintägiger Aufgeregtheit aber flugs entsorgt werden, weil man mit positivem Denken gar nicht bereit ist über Tragweite und Bedrohung von gesellschaftlich schädlichem Verhalten nachzudenken, wie sie die tägliche Nachrichtenflut bereit hält.  Zum Beispiel: Nahrungsmittelskandale, wo zugunsten einer fetten Marge Grenzwerte missachtet werden, Ablaufdaten ignoriert und manipuliert werden,
ODER: Wenn Ärzte ihre Patienten aus Umsatzgier mit mangelnder Sorgfalt behandeln, zu spät bereit sind den Patienten an den für diesen Patienten besseren Facharzt abzugeben, wegen der Marge oder anderen „versteckten“ Vorteilen, nicht das optimale Medikament verschreiben.

Zwei Beispiele, wo es um Leib und Leben geht, wenn man zufällig zu den Pechvögeln gehört, die zum Opfer solch menschlichen Fehlverhaltens werden. Doch solche Geschichten nehmen viele Leute recht nonchalant zur Kenntnis. Nicht schön, aber abgehakt nach dem Lesen. Dagegen ist eine fette Schlagzeile über Banker und Boni ein richtiger Lustkiller. Das Essen schmeckt nicht, Sex wird zur Strafübung und beim Anblick der eigenen Habseligkeiten macht sich übler und ausufernder Frust breit. Sei es, dass die Einrichtung noch nicht bezahlt ist, sei es, dass es sehr lange her ist seit dieser Kauf unter bitteren Einschränkungen getätigt wurde.

Die Vorstellung, dass Banker Boni jährlich die Carte Blanche bedeuten, um die Wohnung neu einzurichten, das neue Porsche Modell abzuholen und zu guter letzt noch Seelenschmerz beim Gedanken, dass Bonus und Porsche allzeit eine Warteschlange von nach Verwöhnung lechzenden Gespielinnen bewirken könnte ... Solche Gedanken können Depressionen auslösen. Wer sich vor der Schmach der Depression scheut, legt sich besser Burn Out Symptome für die sich ankündigende Antriebslosigkeit zurecht, schliesslich erhöht B O den Druck auf den Chef auch über eine Leistungsprämie nachzudenken, während D definitiv keine Bonus fördernde Wirkung entfaltet.  Zum Glück gibt es keine „harte“ Statistik, welches paradiesische Dasein dank Boni möglich ist. Es würde die Bonuslosen vollends in den Wahnsinn treiben.

Fortsetzung folgt von Relax-Senf

12.02.2010, 02:21 von Relax-Senf | 897 Aufrufe
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Kommentare

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Relax-Senf 13.02.2010, 01:46
@ Karin:Danke für diesen Klartextbeitrag. Da mein zweiter und eventuell dritter Teil noch aussteht, verzichte ich an dieser Stelle darauf, direkt auf Deinen geschätzten Beitrag einzugehen. Wird aber noch passieren, in einer Mischung aus ähnlich gestrickten Gedanken in Ausführungen zum Thema und gegebenenfalls zusätzlichen, spezifischen Äusserungen zu Deinem Kommentar.
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Karin 12.02.2010, 17:11

Ich bin 100%ig Deiner Meinung.

Da wird mit Zahlen operiert, die gar nicht definiert sind. Aktuelles Beispiel auch von Gestern: http://www.blick.ch/news/wirtschaft/cs-zahlt-ihren-bankern-75-prozent-mehr-als-die-ubs-140155

Die Lohnsumme wird einfach durch die Arbeitnehmerzahl geteilt, und so kommt der Schreiberling auf die Idee, die CS-Angestellten erhielten 75% mehr Lohn als ihre UBS-Kollegen. Nirgends steht, was alles in diesem Lohn enthalten ist, noch wer alles zu diesen Arbeitnehmern gezählt wird (bis runter zur Reinigungskraft, oder nur Führungsebene?), noch wieviel davon ins Ausland fliesst. Ist etwa dasselbe, wie wenn ich behaupten würde, dass die zwei Kleinkinder eines Familienvaters mit einem Jahreseinkommen von 1 Mio je 250'000 verdienen würden.

Was auch nie geschrieben wird: Die Aktien, die ein Mitarbeiter erhält, und die erst nach einer Sperrfrist von mehreren Jahren verkauft werden dürfen, müssen von ihm zum heutigen Kurs als Einkommen versteuert werden. Bei fallenden Kursen ist so gut möglich, dass ihm davon nach Steuern nichts bleibt, bzw. sogar noch ein Verlust resultiert. Umgekehrt ist es natürlich bei steigenden Kursen, aber ich möchte dennoch nicht mit einem solchen Modell entlöhnt werden.

Was auch immer vergessen geht: die meisten Banker (und deren Familie) geben das Geld, das sie verdienen, bereitwilligstens aus. Nicht umsonst ist der März einer der einträglichsten Monate für die Juweliere an der Bahnhofstrasse, denn dann wird der Bonus zum sichtbaren Erfolg gemacht. Davon profitiert die Wirtschaft und somit auch der Staat weit mehr, als von denen, die ihr Geld aufs Sparkonto legen.

Ja, manche tun wirklich so, als müssten sie die Banker-Boni aus eigener Tasche berappen. Wenn sich Aktienbesitzer darüber aufregen, könnte ich das noch eher verstehen, denn diese bekämen dann mehr Dividende (oder überhaupt eine). Ist schon komisch, dass sich der Volkszorn viel weniger gegen die Pharmaindustrie richtet, wo tatsächlich jeder die Boni durch überhöhte Medikamentenpreise bzw. ständig steigende Krankenkassenprämien direkt mitfinanziert, aber das hat die schreibende Zunft noch nicht gemerkt, und so ist auch der Stammtisch nicht informiert.

Den gerechten Lohn gibt es nicht, denn weder Leistung noch Erfolg sind direkt messbar. So finde ich es zB. auch stossend, dass im Kt. ZH ein Oberförster gleichviel verdient wie ein Oberarzt, deren Arbeitszeiten und -Pensen, Ausbildungsdauer etc. etc. weit andere sind.

Neid ist etwas äusserst Destruktives. Jeder sollte schauen, dass er mit seiner Arbeitssituation zufrieden ist (und die besteht bei Weitem nicht nur aus dem Aspekt Lohn) oder sonst daran etwas ändern.

Wie heisst es so schön: Wer viel Geld hat, ist vermögend; reich ist, wer viel Zeit hat.

Wichtig ist einzig, dass man glücklich ist, und das wird durch Neid und Hass vereitelt.

Ich bin froh um jeden Grossverdiener, gönne jedem seinen Lohn, denn hätten wir sie nicht, müsste jeder von uns weit höhere Steuern zahlen. Kein Staat kann auf Dauer erfolgreich sein, wenn die gut Verdienenden und Vermögenden auswandern. Das sollte mal in der Zeitung stehen!

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