Dienstag, 07. Februar 2012, 19:53
Willkommen, Gast!   de
 

Sind Sie, Kunde, Konsument oder Mensch?

Sind Sie Kunde, Konsument oder Mensch?

Wer denn nun die Profiteure der modernen neuen Arbeitswelt wären, wird oft gefragt. Fragt man Wirtschaftsverbände, so hört man eines eher früher als später:
Der erste Profiteur ist der Kunde.
Danach profitiert der Kunde vom immer grösseren Angebot (aus der ganzen Welt, Globalisierung sei Dank) zu immer billigeren Preisen.

Das Argument hat, betrachtet man es als stichhaltig, durchschlagende Wirkung: Da wir alle Konsumenten und damit Kunden sind, sind wir also die Profiteure – und müssen anderseits die Nachteile in Kauf nehmen, die da sind: Fehlende Jobsicherheiten, höherer Leistungsdruck, steigende Anforderungen an die mobile und ausbildungsmässige Flexibilität: Wenn wir problemlos und gern in der ganzen Welt Ferien machen und entsprechend lange Reisen machen, so müssen wir auch betreffend Arbeitsplatz flexibler werden. Es gibt für niemanden den Fünfer und das Weggli. Ich will mich hier mal auf die Qualität des Wegglis konzentrieren, sprich danach fragen, wo denn mein Profit als Kunde liegt?

Der Kunde als Profiteur der Globalisierung? Wir kriegen immer mehr immer billiger zu kaufen. Nur: Was war zuerst? Unser Anspruch nach Mehr? Oder der Wunsch der Industrie und des Handels, mehr verkaufen zu können? Es werden doch Unsummen darin investiert, die Präferenzen des Kunden in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wer nicht blöd ist, kauft billig, und wer verantwortungsvoller Familienvater ist, kauft einen SUV mit viel Blech für die Sicherheit der eigenen Familie in der Stadt. Marken versuchen, mit einem hohen Anspruchsdenken, einer hohen Konsumbereitschaft und Statuspflege höhere europäische Fertigungskosten mit mehr Qualität zu rechtfertigen. So werden hiesige Arbeitsplätze gesichert. Aber beständig bleibt nur ein Kostenfaktor im Verkauf: Das Marekting. Marken wie Nike geben unter Umständen mehrere zig Prozent des Umsatzes für neue Werbung aus. Autowerbung ist allgegenwärtig. Funktioniert das, so bleiben die Preise hoch. Der Margendruck aber nimmt nicht ab, oder er wird durch noch mehr Profitstreben hoch gehalten: Hohe Preise garantieren im Endeffekt keine europäischen Arbeitsplätze. Sondern sie schieben die Verlagerung nur auf. Am Ende wird der Prozess nie aufzuhalten sein, wonach das beste Produkt am billigsten Ort produziert wird. Knowhow kann überall adaptiert werden. Zusätzlich unterstützt wird das duch das Kundenverhalten, das wir an den Tag legen und das gefördert wird: Wir wollen immer schneller immer Neues. Was heute hip ist, ist im Idealfall schon morgen kalter Kaffee. Eine Firma, die hochwertige Digitalkameras herstellt, muss deswegen noch lange nicht auch einen Reparaturservice in Europa unterhalten. Oder im einzelnen Land. Die Rechnung ist oft einfach und schnell gemacht: Neu ersetzen ist billiger als reparieren. Das ist dann zum Vorteil des Kunden, für mich, wenn ich ein neues Teil auf Garantie bekomme. Gleichzeitig aber wird Schrott produziert, wird zementiert, dass es ein Reperaturhandwerk nicht mehr braucht – und wenn ich meine Kamera reinigen oder überholen lassen möchte, gibt es bald keine Fachleute mehr, die das machen können. Zu teuer. Kaufen Sie eine neue Kamera. Sie kostet heute nur noch die Hälfte von dem, was die ihre vor drei Jahren gekostet hat.

Zum Wohle des Kunden? Wo führt uns dieses Wohl hin? Wollen wir uns wirklich unsere Arbeitswelt in dieser Weise diktieren lassen, indem wir genau diese Kunden sind? Natürlich wird uns gesagt, dass es uns allen schlechter gehen wird, wenn wir nicht Motor des Wachstums sind, das ja in jedem Fall ein Wachstum sein muss, das auf schnellerem Verschleiss oder steigenden Ansprüchen gründen muss.
Und wir machen das ja mit. Allmählich verschwinden die Haushaltgeräte im Stile eines Hooverstaubsaugers. Das Ding war aus Eisen, Metall, mit Dichtungen für die Ewigkeit. Irgendwann hatten zu viele einen Staubsauger, der noch immer nicht defekt war. Schauen sie sich die Dinger heute an! Plastik kann so schöne Farben annehmen.

Praktisch alles, was Sie besitzen, ist darauf ausgelegt, so lange zu halten, dass sie nicht wütend werden, wenn es auseinander fällt – aber ja nicht länger. Und Design begründet neue Bedürfnisse. Das Marketing nimmt neue Themen auf und befriedigt mit viel innovativem Schein das sich meldende neue Bewusstsein. Darum fühlen wir uns alle besser, wenn wir einen Geländewagen mit Hybridantrieb fahren. Es gibt doch noch Hoffnung, dass wir vernünftig werden und die Wirtschaft jene Produkte verkauft, für welche die Wissenschaft zur Erhaltung der Welt die Grundlagenforschung betreibt. Es sei denn, sie wird von dieser Wirtschaft finanziert…

Wenn die Wirtschaftsverbände davon überzeugt sind, dass der Kunde profitiert und profitieren muss, weil er bekommt, was er verlangt, dann ist das für sich bestimmt nicht falsch. Es ist das Wirtschaftsmantra der freien Marktwirtschaft.
Aber es ist auch entlarvend. Denn hinter dem Kunden sieht die Wirtschaft nicht den Menschen. Sondern den Konsumenten. Dass das nicht das gleiche ist, das müssen allerdings wir selbst erkennen – und uns entsprechend verhalten. Und wir sollten alle im Kleinen anfangen und nicht auf die grossen Veränderungen warten. Das bedeutet dann nämlich zumindest, dass wir ein etwas anderes Bewusstsein schärfen können, da, wo wir Einfluss haben: Bei unseren Kindern, in unserer unmittelbaren Umgebung. Angenehmer Nebeneffekt: Wir merken dabei schnell, wie gross unsere Unwissenheit ist. Und schon wünschte man sich ein bisschen was von dieser Demut in den höheren Etagen…


Der Artikel ist heute auch auf thinkabout.ch erschienen.

18.04.2010, 22:06 von Thinkabout | 455 Aufrufe
Bewertung: 1 2 3 4 5
Avatar
5717 Aufrufe
Avatar
4989 Aufrufe
Avatar
4950 Aufrufe
Avatar
4944 Aufrufe
Avatar
4778 Aufrufe
Avatar
4684 Aufrufe
Avatar
4680 Aufrufe
Avatar
4566 Aufrufe
Avatar
4553 Aufrufe
Avatar
4132 Aufrufe
Avatar
3969 Aufrufe
Avatar
3935 Aufrufe
Avatar
3750 Aufrufe
Avatar
3746 Aufrufe
Avatar
3731 Aufrufe
Avatar
3725 Aufrufe
Avatar
3715 Aufrufe
Avatar
3708 Aufrufe
Avatar
3704 Aufrufe
Avatar
3609 Aufrufe
Avatar
3581 Aufrufe
Avatar
3561 Aufrufe
Avatar
3560 Aufrufe
Avatar
3540 Aufrufe
Avatar
3512 Aufrufe
Avatar
3510 Aufrufe
Avatar
3487 Aufrufe
Avatar
3458 Aufrufe
Avatar
3401 Aufrufe
Avatar
3363 Aufrufe
Avatar
3066 Aufrufe
Avatar
3030 Aufrufe
Avatar
2987 Aufrufe
Avatar
2919 Aufrufe
Avatar
2915 Aufrufe
Avatar
2911 Aufrufe
Avatar
2905 Aufrufe
Avatar
2882 Aufrufe
Avatar
2819 Aufrufe
Avatar
2771 Aufrufe
Avatar
2711 Aufrufe
Avatar
2615 Aufrufe
Avatar
2562 Aufrufe
Avatar
2527 Aufrufe
Avatar
2314 Aufrufe
8 ABN Amro Ackermann Admin. AIG Altersvorsorge Anlagebranche Anlageprodukte Anlagestrategie Apple Arbeitswelt Asien Auto BaFin Bank Bär Bank of America Bank Sarasin Banken Banken Schweiz Banken-Gewinne Banken-Rettung Banken-Stresstest Bankenkrise Bankenrettung Bankgeheimnis Barclays Basel III Bernanke Ben Betrug Bildstrecke Bildung BIZ Blog Blog Die tote Zukunft Blog Gedanken zu Problemen der Zeit BNP Paribas Boni Browser Buchhandel Buffett Warren Bundesbank D Bundesrat Bundesregierung Bücher Cherrie-Rezepte China Citigroup Clariden Leu Coach Kommentar Commerzbank Compensation Credit Suisse CS Datenklau Datenschutz Detailhandel Deutsche Bank Deutschland Doerig H. U. Dollar Doping Dougan Brady English Media Ernährung Essen und Trinken EU Euro Eurokrise Europa EWnglish Media EZB Facebook Fakruechte Fakruechte Kommentare Fannie Mae FED Finanzaufsicht Finanzkrise Finanzplatz Genf Finanzplatz London Finanzplatz Schweiz Finanzplatz Tessin FINMA Firmennachrichten Fitness Fortis Freddie Mac G-20 G20 Geldwäscherei Gesellschaft Gesundheit Gold Goldman Sachs Google Griechenland Grossbritannien Grundlagenwissen Grübel Oswald Haltiner Eugen Hartz-IV Hedge-Fonds Hildebrand Philipp HRE HSBC Hummler Konrad Hypothekarzinsen IMF Ind India Indien Insiderhandel Internet Investment Banking IRS Islam Island IWF JP Morgan Chase Juncker Jean-Claude Kaiser Ritter Partner Privatbank Kantonalbanken Kerviel Jérôme Kielholz Walter Kirche Kommentar Karin Konj Konjunktur Korruption KRANKHEITEN Kreditkarten Kreditklemme Köhler Horst Landesbanken Lebensmittel Lehman Brothers Leumi LGT Group Liechtenstein Lloyds Luxemburg Madoff Medien Merkel Angela Merrill Lynch Merz H. R. Microsoft Migration Mirabaud Pierre Morgan Stanley mycomfor intern Naturkatastrophen Notenbanken Obama Obama Barack Odier Patrick OECD Oekologie Oekonomie Oel Oesterreich Ospel Marcel Osteuropa Personen Philosophie für den Alltag Politik Private Banking Psychologie Raiffeisen Rating-Agenturen RBS Regierung Regionalbanken Relax-Senf Relax-Senf Kommentar Rezession Russland Sal. Oppenheim Schuldenkrise Schweiz Schweiz. Bankiervereinigung Schweiz. Nationalbank SEC Singapur SIX Swiss Exchange SIX Telekurs Skandal Smartphones SNB Social Media Société Générale Sozialstaat SPD Spekulation Sport Staatsbanken Staatsfonds Staatsverschuldung Steinbrück Peer Steuerdaten-CD Steuerdelikte Steueroasen Steuerstreit Steuerwesen Studie Stuttgart 21 SWIFT Swiss Life Swiss Re Swissquote Test Tourismus UBS Unicredit Union Bancaire Privée UNO Unterhaltung USA Vatikanbank Versicherungen Video Videos Villiger Kaspar Vontobel VP Bank Wahlkampf Wall Street Web 2.0 Wegelin Wein Wellness Weltbank Wikileaks Wirtschaft Wirtschaftskrise Wissenschaft Wuffli Wulff Währung Währungskrieg Währungskrise ZKB


mycomfor ist gratis

Klappen

Wer ist online?

Klappen
  • Benutzer: 3
  • Gäste: 869

Neuste Kommentare

Klappen
Avatar
18.01.2012, 16:47
Das mit dem Probe-Schmausen zu Foto-Zwecken musst Du Dir abschminken, fürchte ich. Bei Deinem Gen...
Avatar
14.01.2012, 02:44
Meine Bankerfahrung hat mich nicht getäuscht als ich bereits 2 Tage vor der Recherchen Bestätigun...
Avatar
12.01.2012, 14:57
Bundespräsident unter Druck - Chronologie der Enthüllungen über Christian Wulff Wie Wulff in die ...
Avatar
08.01.2012, 15:02
@ Relax-Senf: Du meinst Feuerwehrauto vs. Totenwagen Die neue Grill-Struktur ist mir auch aufgefa...
Avatar
08.01.2012, 02:31
@Karin: Denke der Ball ist direkt auf den Mann gespielt, aber dies ist Okay, kann ich doch diese ...
Avatar
07.01.2012, 23:36
Wow, sieht klasse aus; und es soll ja niemand was von Schwarz sagen...
Avatar
06.01.2012, 17:28
@Relax-Senf: Ich stimme Dir vollumfänglich zu. Ich denke, dieser Fall wird uns noch länger be...
Avatar
06.01.2012, 17:13
...und schon wieder ein Verdreher in der zweiten Zeile, den ich erst nach Abschicken bemerke. Dab...
Avatar
06.01.2012, 17:09
Seit der neuen deutschen Rechtschreibreform hab' ich meine früher anstrengungslose Makellosigkeit...
Avatar
06.01.2012, 16:25
a) Die Entlassung des Whistleblowers ist richtig. b) Hildebrand soll im Amt bleiben. c) Die Gesch...
Avatar
06.01.2012, 15:17
Es ist genug. Luxusferien die als Treibminen freundschaftlicher Dankbarkeit eine Abhängigkeit sch...
Avatar
06.01.2012, 14:23
Für 150.- Euro die Nacht findet die Bettina in der ganzen Republik jederzeit und überall private ...
Avatar
04.01.2012, 14:59
Der Fall Hildebrand könnte sich analog zum Fall Wulff entwickeln. Immer neue Details zwingen den ...
Avatar
04.01.2012, 14:06
Es ist eine gute Meldung, die Constantin Bregulla, Chef des Kartengeschäfts bei der UBS, machen k...
Avatar
04.01.2012, 00:06
@Karin: Wie beim Sexy Body Artikel bereits ausgeführt, Hinsehen ist Dann und Wann die bessere Lös...
Avatar
04.01.2012, 00:02
@Karin: Nicht schlecht getippt, ich komme schon beim Hinsehen ins Schwitzen.... Um diesen Punkt b...
Avatar
03.01.2012, 20:14
Unvergesslich bleiben für mich die "italienischen Wochen" in Jakarta: Spaghetti Napoli ...
Avatar
03.01.2012, 19:11
@ Charly: Ich nehme jetzt mal an, Du isst, während Du Dir das Video ansiehst und wunderst Dich, w...
Avatar
03.01.2012, 13:35
Aufgepasst liebe Verbraucher, der schlaue Professor möchte von euch nur, dass ihr auf euren Woh...
Avatar
29.12.2011, 02:14
[...] Neue Richtlinien würden, „wer Böses denkt ist ein Schelm“, ein schnelleres Absenken der Alt...

Top-Inhalte

Topinhalte