Quo Vadis - alle zusammen oder jeder für sich?SWR 3, Wieland Backes Talk Show "Nachtcafe" von heute abend zum Thema: Wohlstand adé - Geht es uns jetzt ans Eingemachte? Die Frage ist wirklich, wo unser aller Reise hingeht, und mir schwirren, natürlich nicht erst seit heute Abend, tausend Fragen durch den Kopf. Diese Fragen würden eigentlich nahelegen, lieber gar nichts zu schreiben, weil dabei nicht wirklich was Strukturiertes heraus kommen kann, nicht einmal ein geordneter Katalog dieser Ungewissheiten... Nicht nur mir dürfte es so vorkommen, dass wir in der Zeit nach dem Zusammenbruch aller Systeme leben. Der praktisch gelebte Sozialismus hat nicht mal als Bedrohungsbild überlebt. Und der Kapitalismus? Hat sich, selbst im Gewand der sozialen Marktwirtschaft, von welcher der Herr Lambsdorff von der FDP gesprochen hat und die ich in der Theorie auch kenne und ja auch schätzen würde, längst an die Globalisierung verkauft. Und das bedeutet, mit Verlaub, Markt total. Und der deregulierte, ausser Rand und Band geratene globale Finanzmarkt ist nur Ausdruck davon. Denn die Welt hat sich den grössten möglichen Markt gegeben, fasziniert von allen Phantasien, die damit zusammen gehen - ohne dass die Player dieses Marktes überhaupt nach Regeln spielen würden - auf jeden Fall nicht nach den für alle geltenden gleichen Regeln. Darüber gibt es nämlich keinen Konsens. Gar keinen. Der globale Markt kennt nur Menschen mit Eigeninteressen und hat nichts anderes verdient, weil er ja den Glauben an den totalen Wettbewerb propagiert. Das ist die Theorie. Die Praxis aber bedeutet, dass die Sieger die Regeln festlegen. Oder dafür schauen werden, dass es nach wie vor keine Regeln geben wird. Das waren jetzt keine Fragen, ich weiss. Sondern Behauptungen. Vielleicht. Sagen wir so: Es ist das, was ich den Menschen zutraue. In letzter Konsequenz ist in einer Welt, die sich dem Profit als Maxime und Korrektiv verschreibt, nichts anderes zu entlocken, als der Sieg der Gier. An dem Abend wurde zwei, drei Mal auch von Ethik gesprochen. Ich glaube, Verzeihung für die nun kommende drastische Ausdrucksweise: So lange wir nicht wieder richtig Schiss davor kriegen, dass es uns tatsächlich mal dreckig gehen wird, werden wir das Zusammenstehen als Gesellschaft, das Gefühl, Teil eines Tatbeweises für eine funktionierende Gemeinschaft sein zu müssen, nicht mehr lernen. Die möglichen Varianten sich auszumalen, überlasse ich den Lesern. Je nach Gemütslage, politischer Orientierung oder eigener Erfahrung mag das verschieden aussehen. Mit der eigenen Erfahrung ist das bei mir so eine Sache. Es häufen sich die Tage, wo ich nur noch bitter feststellen kann, dass mittlerweile schon mittlere Führungskader in mittleren Unternehmen nur noch Worthülsen von sich geben, wenn sie von Nachhaltigkeit und ökologischem Verständnis als Teil der Corporate Identity des Unternehmens reden - weil der Kostendruck im Unternehmen - scheinbar oder real das dominierende Thema ist. Oder eine andere betriebswirtschaftliche Grösse, die, dem global Wettbewerb Rechnung tragend, zum Luxus macht, was die grüne Wiese vor dem Haus mit einschliessen würde - oder die Kinderbetreuung. Nur so z.B.
24.10.2009, 00:07 von Thinkabout |
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Kommentare
@ Thinkabout
Danke für diesen anregenden Gedankenfutterbeitrag. Die Thematik ist so komplex, dass ich so spontan gar nichts Klares ausdrücken kann. Und dies trotz der Tatsache, dass ich nicht zum ersten Mal an dieser Denkweiche angekommen bin. Anders gesagt, für welche Denkrichtung soll ich meine Meinung einsetzen. Sich die Zustände zurückwünschen, die bis 1989/1990 die Globalisierung im heute bekannten Ausmass verhindert haben? Nein, dies ist ein kein tragfähiges Denkmodell. Die Büchse der Pandora ist offen und was draussen ist, bringen wir nicht zurück. Meine Befürchtungen richten sich jedoch bereits auf den Teil, der noch in der Pandora Büchse schlummert. Und dies ist sehr viel. Dabei gehen mir Gedanken durch den Kopf, die sich noch völlig im Gärprozess befinden und welche ich deshalb nicht mal als provokativer vR zur Diskussion stellen möchte. Auf der geopolitischen Landkarte, erkenne auch ich wünschbare Entwicklungen und wer könnte schon gegen eine andere, bessere Verteilungsgerechtigkeit sein? Dieser Einsicht verschliesst sich meine Seele nicht. Aber, was die Sache besser für heute benachteiligte Menschen macht, bedeutet nicht besser für alle Menschen. Wenn eine Waage nicht in der Balance ist, muss man Gewicht aus der einen Waagschale nehmen und in die andere geben. Darin versteckt sich die Lösung und das Problem.
Privat habe ich kürzlich jemand gefragt: Darf es Denkgrenzen geben? Die Antwort habe ich gleich selber gegeben. Denkgrenzen, wären das Ende jeder Weiterentwicklung in der Philosophie! Betrachtet man die Auswirkungen der Globalisierung global, kann man zu anderen Argumenten kommen, wie wenn man die lokale Wirkung der Globalisierung betrachtet. Wo ich meine Wurzeln habe, würde man sagen: Das Hemd ist näher wie die Hose.
Und J. W. von Goethe sagte schon zu seiner Zeit:
....
Du musst herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein.
Die Globalisierung bringt Gewinner und Verlierer hervor. Geopolitisch gehört das "alte" Europa zu den Verlierern. Ganz sicher bei den Jobs ohne Ausbildungsabschluss und ohne Anschlussqualifikation für höherwertige Arbeit. Ein KV-Abschluss, ist heute im kaufmännischen Bereich nur noch genügend wert, um für noch nicht automatisierte GangGo Jobs angestellt zu werden. Dass ich in Blogs die Meinung gelesen habe, dass es in der Schweiz und in Deutschland eine zu hohe Arbeitsmotivation gibt, die gar schädlich sei, da sie die Schwachen benachteiligt, darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Viele Leute haben keinen blassen Schimmer, dass in Europa das Fliessen von Milch und Honig – verfügbar mit Anspruchskarte – zu einem Auslaufmodell werden wird.