Selbstgerechtigkeit und KritikgierSelbstgerechtigkeit und KritikgierAufgrund des Lukas Evangeliums 18,11 wurde für uns der Pharisäer zum Symbol der Selbstgerechtigkeit, denn sein Gebet: “Ich danke Dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute“ können wir noch heute in allen möglichen Abwandlungen in unserem täglichen Leben hören. Dabei hat uns schon der Schriftsteller Gellert gelehrt: Je minder sich der Kluge selbst gefällt, Um desto mehr schätzt ihn die Welt. Um hier aber richtig zu liegen, bedarf es der Selbsterkenntnis, der Selbstbeschränkung und der Selbstzucht. Es braucht also innere Stärke und inneres Glück. Sobald wir diese Stufe erreicht haben, haben wir für uns selbst Achtung erworben und den Faktor Neid eliminiert. Moderation führt dazu, weniger zu loben, denn man kennt die Tücke des Schicksals, man kritisiert aber auch nicht so leicht, weil man die allgegenwärtigen Schwierigkeiten und Umstände kennt. Kritik ist am Platze, wo logische und bessere Alternativen aufgezeigt werden können. In der Kritik noch korrekt zu bleiben, als Kritiker geachtet zu werden, bedarf innerer Grösse. Erinnern wir uns an Balzac, der die Kritik mit einer Bürste verglichen hat. Bei allzu leichten Stoffen darf man sie gar nicht erst verwenden, denn sonst bliebe nicht mehr übrig. Diese weitgestreute Kritikgier, die so vieles ungerecht in Frage stellt oder vernichtet, basiert auf eigener Fehleinschätzung, mangelnder Fähigkeit zur Leistungsverbesserung und der Absenz innerer Grösse. Kritisieren Sie nur, meine Freunde, aber versuchen Sie erst, zu verstehen, verstehen mit Geist und Herz. Das aber setzt Geist und Herz voraus.
08.11.2009, 09:34 von Dr. H. J. Stalder-Straub |
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