Budgetfanatismus
BudgetfanatismusWir glauben, unser Schicksal unter Kontrolle zu bringen. Wir glauben, unsere Zukunft planen zu können. Wir glauben an eine zielgerichtete, erfolgreiche Selbstverwaltung. Dadurch geraten wir in eine Kontrollgläubigkeit, welche uns abhängig macht, und dadurch unser Eigenrisiko, das Unvorhergesehene betreffend, erhöht. Das wiederum bedeutet, dass wir grössere Mühe haben, der Zukunft risikofreudig entgegenzutreten. Unser Mangel an Leidensfähigkeit, die Unfähigkeit, Opfer zu erbringen, führt uns in die falsche Sicherheit der Budgetierung, in die Optimierung von Erwartungen und in die trügerische planmässige Limitierung aller erdenklichen Rückschläge. Wir budgetieren alles; unsere Zeit, unseren Einsatz, Einkommen im Verhältnis zum Kapitaleinsatz, Aufwand, Abschreibungen und enden dabei in der Budgetierung unseres Privatlebens, im stets unzufriedenen Konkurrenzdenken, in Oberflächlichkeit, falscher Selbstdarstellung und in der Vereinsamung. Wenn wir annehmen, dass wir über Budgets unsere Zukunft akkurat planen können, dann haben wir uns in der Natur, im Zufall, in der Unberechenbarkeit des Lebens gravierend getäuscht. Morgen lässt sich nicht vorschreiben. Wir müssen partiell vorausplanen. Wir müssen aber auch realisieren, dass diese Sandkastenspiele nur von sehr relativem Wert sind. Die eigentliche Führung findet nämlich von Tag zu Tag in der Öffentlichkeit statt, nicht in einer Stabsstelle von überdurchschnittlichem Prestige und unterdurchschnittlichem Wert. Erfolge werden immer an der Front errungen, wie immer gut die Planung auch gewesen sein mag. Wenn ein Feldherr nach Budget etwa 20% der eingesetzten Truppe hätte verlieren können und nur 16 % verloren hat, so ist er rein planmässig erfolgreich, doch vor seinen eigenen Leuten hat er einen grossen Verlust erlitten – und alle mit ihm. Wenn andererseits ein Bankier 30 statt 20 Prozente aus verschiedenen Geschäftssparten erwirtschaftet, so ist das ganz bestimmt nicht sein alleiniger Verdienst, doch nach Budget steht er ausgezeichnet da und wird vom Verwaltungsrat gelobt werden. An der Erarbeitung der Kennzahlen hat vorab das mittlere Kader mitgearbeitet. Das Resultat einer Leistung wird von der gesamten Einsatzeinheit erbracht. Die Führung achten wir, die Weisung beobachten wir, an Budgets orientieren wir uns, doch was eigentlich zählt, sind Resultate. Daran messen wir uns.
11.08.2010, 22:30 von Dr. H. J. Stalder-Straub |
475 Aufrufe
Bewertung:
Tags (0) |
mycomfor ist gratisWer ist online?
BlogrollStil- und Stoff-Alternativen Neuste Kommentare
|
Kommentare