Ganz Paris träumt von der Baguette1.06.2010 Zeit Online BackkunstGanz Paris träumt von der BaguetteKnusprig und aromatisch muss sie sein, im Ganzen elastisch, die Krume leicht feucht, aber nicht klebrig, duftend und schmackhaft, die Poren schön groß und unregelmäßig – keiner beherrscht das so perfekt wie der Bäcker Djibril Bodian in Montmartre
01.06.2010, 12:39 von Cherrie |
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An einem richtig heissen Sommertag, wann selbst der Sonnenschirm nicht richtig hilft und es unter dem Sonnendach entlang der Fassade elend heiss wird, weil die weisse Mauer die gespeicherte Wärme abstrahlt wie ein Backofen, dann ist bei uns der schönste Platz im Garten im Schatten vom grossen, alten und knorrigen Mostbirnenbaum. Wenn diese Umstände zusammentreffen, dann ist es ausnahmsweise auch schon im Verlauf vom Nachmittag Zeit für Wysen und Baquette. Im Schatten vom Birnbaum, wo im Gegensatz zur stehenden Bruthitze unter den Sonnenstoren an der Fassade sich immer wenigstens noch ein minimer Lufthauch ausmachen lässt.
Dann spielen für mich die hohen Baquette Kriterien von Frau Relax keine Rolle. In diesen Stunden mundet das Baquette aus der Frau Relax Küche, wie eingeflogen aus Paris. Und ich der sonst immer nur Klosterquellenwasser trinkt, gönne mir dann das eine oder andere Glas Wysen. Sonne, Baquette und Wysen und man wünscht sich die Zeit anhalten zu können. Dann braucht es keinen Champagner um zum Gefühl zu kommen: D'Engeli brünzlet em d' Hals aba.
Geschundene Bloggerseelen sind zum Seelenbalsam fassen eingeladen. Es muss einfach elend heiss sein, dann klappt’s.
Der Meister scheint hier bei Weitem nicht alles preiszugeben:
...bevor er in den Kühlraum kommt. Dort wartet er bei zehn Grad Celsius darauf, gebacken zu werden...
Das dürften mehrere Stunden sein, damit sich der Geschmack entwickelt.
...Die Brote werden von Hand geformt, kurz vor dem Backen bei 260 Grad schneidet Bodian die Laibe an mehreren Stellen ein...
Die geformten Brote kommen dann erst mal in bzw. zwischen sog. Couches, handorgelförmig gefaltete Leinentücher (Industriebäcker verwenden so geformte Lochbleche, was an der Unterseite der fertigen Brote ersichtlich ist), wo sie schön aufgehen sollen.
Das Einschneiden ist eine Kunst für sich, da muss der Winkel genauso stimmen, wie die Tiefe.
Ein perfektes Brot ist wahrlich ein Meisterwerk; Hobbybäcker essen die Brotfehler einfach mit.
Oder wie mein Mann einmal sagte: "Für einen Blinden ist deine Baguette wie vom Bäcker".