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Der Rentenklau ist gestoppt ! Haben die Stimmbürger das Problem gelöst ?

Der Rentenklau ist gestoppt !

Haben die Stimmbürger das Problem gelöst?


Das wuchtige Nein zur Pensionskassenvorlage hat viele überrascht. Offensichtlich ging es in der Debatte kaum um Versicherungsmathematik, sondern um Symbole und Misstrauen.Der Politologe Hans Hirte erklärt in der NZZ seine Sicht zum Kampagnenverlauf und dem Resultat.

Relax-Senf sieht das Resultat so:

Betrachte ich das Resultat von der Seitenlinie aus, erkenne ich durchaus zwei verschiedene Faktoren, die beide Gewicht haben. Die Vorlage wurde klar abgelehnt, eine Klatsche für Bundesrat, Parteien und Wirtschaft. Dies betrachte ich als Fazit durchaus positiv, weil es die Verliererseite zur Standortbestimmung bringen sollte. Die Aufwandsseite bei Löhnen und Investment Management Kosten und vor allem die Gewinnabschöpfung (Verschiebung / Verschleierung) wird von den Versicherten immer schärfer verfolgt und kontrolliert werden. Gut so. Ich bin schon lange sauer, was mir persönlich die Versicherung auf der 3B-Geschäftsbeziehung seit 2002 an Gewinnbeteiligung offeriert. Ist nicht das Papier der Mitteilung wert, während es bis zum 2000 erfreuliche Zusatzerträge waren. Das Ausbleiben von Gewinnbeteiligung habe ich im 2002 und 2003 durchaus verstanden und akzeptiert. Nur seit 2002 hat nie mehr etwas geändert und die Strategie der Versicherungsbranche ist dumm und eine Zumutung. *

Andererseits ist es kurzsichtig und uneinsichtig, wenn die Abstimmungsgewinner meinen mit dem Nein in der Urne sei das Problem gelöst.  Mitnichten. Eine länger alternde Gesellschaft und die Rendite "aus sicheren Anlagen" führen zu mehr und schnellerem Verbrauch der verfügbaren Mittel und die reichen einfach nicht um die Renten nach Vorgabe an der Wahlurne zu bezahlen.

Möglicherweise werden die Beiträge erhöht ! ? etc. Worst case: Firmen-Pensionskassen stellen bei der Pensionierung das Kapital zur Auszahlung zur Verfügung oder offerieren eine Betriebsrente zu Konditionen der Kasse, die man akzeptieren oder ablehnen kann (also Kapital beziehen).

Natürlich bin ich persönlich an mehr Rente interessiert, wie die eindrückliche Mehrheit der Stimmenden. Doch die reale Welt wird nicht mit Wünschen erfüllbar. Das Thema ist nicht vom Tisch. Es liegt lediglich ein Etappenziel bzw. eine Momentaufnahme der Standortbestimmung vor. Die Lösung des Problems erfordert viele grosse Steine und Hürden aus dem Weg räumen. Stimmbürger die sich im Vertrauen zurücklehnen, den Abzockern den Tarif durchgegeben zu haben, sind naiv und begreifen nicht, dass auf Dauer nur verteilt werden kann, was in der Vorratskammer vorhanden ist. Aus den Vorratskammern fliesst bereits heute mehr ab, als heute nachfliesst. Die Rendite von Bundesobligationen als sicherste Anlagekategorie und die Marge auf Hypothekarkredite, reicht nicht aus um dieses grundlegende Problem zu beheben. Der Frust der Versicherten wird schon bald wieder zurückkehren und der Frust der jüngeren Generationen kann sich zu gesundheitlichen Problemen auswachsen. Die Erhöhung der gesetzlichen Alterslimite für die Renten-BERECHTIGUNG wird unausweichlich kommen und weitaus restriktiver gehandhabt werden als seither. Wer z. B. vor 67 dem Arbeitsstress entfliehen will muss über frei verfügbare Rücklagen verfügen sonst geht es nicht. Dies ist keine Schwarzmalerei sondern einfach eine glasklar erkennbare Entwicklung. Nur die Startdaten und Auswirkungskomponenten stehen noch in den Sternen. Aber es wird so sicher passieren, wie ein Auto stehen bleibt, wenn der Tank leer ist.


* Diese Betrachtung wird hier fortgesetzt, da es nichts mit dem Abstimmungsresultat zu tun hat, für einzelne Leser aber von Interesse sein könnte.

Das unfreundliche Kundenverhalten der Versicherung, der Versicherungsnehmer erhält nur den unvermeidbaren, garantierten Anteil, hat bei mir dazu geführt, dass ich dann auch weitere 3a Vorsorge-Sparbeträge nicht mehr der Versicherung gebracht sondern bei der Bank auf ein 3a Vorsorgekonto einbezahlt und im restriktiven Rahmen von Investments in BFG-konforme Fonds, selbst angelegt habe. Selbstverständlich greift auch die Bank ganz uncool bei der Gebührenberechnung, bei Management Fees etc. zu. Aber man profitiert trotzdem echt in den Momenten, wo die Börse gut läuft und die Titel im BFG-Fond Höhenluft schnuppern. Bei der Bank entfällt auch der Zwang feste Beträge – wie bei Vertragsabschluss mit der Versicherung abgemacht – einzubezahlen. Erfüllt man die gesetzlichen Vorgaben kommt man an das 3a Geld bei der Bank auch früher ran, wie an das Geld bei der Versicherung, die gnadenlos zugreift und unverschämte Summen abzieht,  für alle Wochen die vor dem vereinbarten Fälligkeitsdatum liegen.

Posting 18.22
Aktualisiert 18.44

08.03.2010, 18:43 von Relax-Senf | 1268 Aufrufe
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Kommentare

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Relax-Senf 10.03.2010, 15:09

Nachtrag wegen einer ungenauen bzw. irreführenden Aussage. Der überobligatorische PK-Anteil hat einen grösseren Umfang an den PK-Geldern, wie der obligatorische Teil. Überobligatorische Gelder werden nach dem individuellen Kassenentscheid in Rente umgewandelt. Deshalb entsteht im Durchschnitt ein Umwandlungssatz von 6.7 Prozent. Der obligatorische Teil der PK-Gelder wird - durch Quersubventionierung - gemäss gesetzlicher Vorgabe gewandelt. Wie bereits geschrieben, meiner Meinung nach, hält diese Solidarität nicht auf ewig.

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Relax-Senf 10.03.2010, 02:13

@ Karin: Denke schon, dass es ohne S U C H E für mich nichts zu schreiben gibt, das hilfreich wäre. Bin kein PK-Experte, bin sicher für mehr Eingang auf dem Konto und sehe mit Kritik und Bedenken eine fragwürdige Entwicklung um das Thema Renten und Vorsorge. Insofern bin ich beim Stimmwolk bei der emotionalen Sicht der Problemsituation.

Gleichwohl sehe ich auf der sachlichen Ebene gewisse Aspekte differenziert und daher mit einer rechten Portion Skepsis. Heute (09.03.2010) war dann auch in den Medien zu lesen, dass der Durchschnitt des Umwandlungssatzes in der Schweiz bei 6,7 Prozent liegt und dies auch so bleibt, unabhängig vom Abstimmungsresultat. Lese ich die Zeitungen entdecke ich viel Zündstoff, wie z. B. Arbeitskräfte, wiederhole Arbeitskräfte, die einen Lohn jenseits der BVG-Grenze haben, subventionieren mit ihren überobligatorischen Beiträgen die Renten der Arbeitskräfte, die mehr oder weniger weit unter der BVG-Grenze bleiben. Gerade nach dieser Abstimmunsdiskussion realisieren dies viele Leute erst - nach dem Lesen der Medien auf die ich mich hier beziehe - und diese Leute werden für den überobligatorischen Vorsorgeteil vermehrt eine Lösung ausserhalb der betrieblichen Vorsorge suchen, weil sie damit besser fahren, sprich mehr Geld im persönlichen Vorsorgetopf verbleibt.

Das Nein der Stimmbürger war gut, wie von mir zuvor attestiert, aber die Probleme sind in keiner Weise gelöst. Berücksichtige ich die neuen Forderungen der politischen Abstimmungssieger, fängt der Verteilungskampf erst an. Ich wage jedoch zu behaupten, dass die wuchtige Ablehnungsfront vom Wochenende nicht gleich geeint für die nächste Abstimmung zur Verfügung steht. Das Nein zum Wegnehmen ist eine Sache, das Ja zum mehr Geben eine völlig andere Sache.

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Karin 09.03.2010, 20:06

@ Relax-Senf: "ziemlich einverstanden" reicht natürlich nicht für eine richtige Debatte, aber wir werden in den nächsten Jahren wohl schon noch ein Thema finden. ;)

Herr Fakrüchte sieht bestimmt schon voraus, dass die Versicherungen, eine Plakatkampagne lancieren, die flächendeckend für Pommes 3x täglich und Früchte und Gemüse nur noch 1x wöchentlich wirbt, damit wir Alle sicher gestorben sind, wenn unsere Rente aufgebraucht ist und sie sich weiter bereichern können.

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Relax-Senf 09.03.2010, 03:15
@ Karin: Hoppla, da ist deutlicher Widerspruch angekündigt. Doch lese ich die Ausführungen lehne ich mich relaxed zurück, denn eine effektiv unterschiedliche Sicht kann ich nicht ausmachen. Der einzige konkrete Unterschied liegt bei der Einschätzung der demografischen Entwicklung und da können wir beide nicht mit harten Fakten aufwarten. Die Lebenserwartung von neu geborenen Mädchen soll sich jedoch gegen Hundert Jahre entwickeln. Auch der Blick zurück zeigt, dass die Menschen immer älter werden. Natürlich nicht alle, aber vergleicht man Alterssegmente mit früheren Erfassungsdaten so ist in jedem Altersband eine grössere Anzahl von Personen vorhanden wie bei Erfassung der gleich alten Menschen in früheren Zeitfenstern. Über die Zunahme und die Auswirkung von mehr Rentnern gibt es also eine Beurteilungsdifferenz, mit den anderen Ausführungen bin ich ziemlich einverstanden.

Die Rentenversicherungen für Dicke zu günstigen Konditionen in GB gibt es. Dabei schliesst die Versicherung eine Wette darauf ab, dass der Versicherte nicht alt wird, weshalb ein nicht genutzter Überschussgewinn entstehen kann. Banken und deren Kunden haben inzwischen den "Kauf der Nutznieserrechte" aus solchen Versicherungen als tolle Investition entdeckt, wobei der Gewinn umso grösser ist je früher der Verkäufer das Zeitliche segnet. Geld stinkt nicht, wusste man schon im alten Rom. Im Übrigen geht die Versicherung das Risiko ein, dass wenn dicke Versicherungsnehmer sich für einen gesunden Lebenswandel und gesunde Ernährung entscheiden, der Versicherungsabschluss zu einer fetten Verlustwette führen kann.

Als Arbeitnehmer hat man keine Wahl zwischen Leistungs- und Beitragsprimat, man kann nur den Arbeitgeber wählen und gehört dann zwangsläufig zur "gegebenen" Kasse der Firma. Leistungskassen werden immer weniger, weil die Kosten für den Arbeitgeber höher ausfallen, wie bei einem "simplen" Beitragsprimatversprechen. Das Leistungsprimat verlangt aber auch dem versicherten Arbeitnehmer nach jeder Lohnerhöhung Konsumverzicht ab, weil er/sie die Lücke zur Leistungsklasse nach der Lohnerhöhung mit eigenen Beiträgen schliessen muss.

Versicherungen und Sammelstiftungen nehmen sicher zu viel Geld der Versicherten für die Verwaltung und andere Kostenfaktoren. Diese Abhängigkeit kann nur eine KMU-Pensionskasse vermeiden, wenn die Versicherungsgelder eine kritische Masse erreichen. Ist dies nicht der Fall, kann keine vernünftige Portfolio-Strategie gefahren werden. Kosten und Risiken steigen gegenüber Sammelstiftungen.

Die BFG-Situation ist effektiv intransparent und unbefriedigend. Eine bessere Lösung ist nicht in Sicht. Die jährlichen Zahlen über die Leistungsfähigkeit der Pensionskassen zeigen jedoch, dass ein Grossteil der BFG-Versicherten bei einer "Schwachen" Kasse versichert sind. Diese Kassen können die Urnenvorgabe nicht erfüllen. Möglichkeiten: Die Abzüge, d.h. die Beiträge pro Versicherten werden erhöht, die Kasse erhält Subventionen (von wem?) oder die Kasse wird liquidiert, fusioniert etc. Die guten und die schwachen Kassen miteinander vergleichen entspricht einem Leistungs-, Komfort- und Sicherheits-Vergleich zwischen einem Porsche und einem aktuellen Auto aus China.
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Karin 08.03.2010, 22:56
@ Relax-Senf: Sorry, diesmal bin ich nicht ganz Deiner Meinung - gemeinsam können wir nur über die Versicherungen schimpfen - dafür wird's auch nicht langweilig!

Die ganzen Schreckensszenarien vom nicht ausreichenden Kuchen beruhen auf der Annahme, dass wir immer älter werden. Dies ist jedoch bloss eine Vermutung, erwiesen ist das längst nicht, im Gegenteil. In England werden von den Lebensversicherungen zB. bereits Policen zu günstigeren Konditonen ausgegeben für übergewichtige Menschen, da diese eine erwiesenermassen(!)geringere Lebenserwartung haben. Erwiesen ist ebenfalls, dass die Uebergewichtigen auch in der Anzahl stetig zunehmen. Das weist alles darauf hin, dass wir im Durchschnitt gar nicht so alt werden, wie prognostiziert.
Auch die Renditenerwartungen dürften in Wirklichkeit höher ausfallen, als uns vorgemacht wird. Es gibt ja nicht wenige Kassen, die freiwillig einen höheren Umwandlungssatz anwenden und diesen auch finanzieren können. (Ein paar von ihnen haben ja auch für eine Nein geworben). Es sind Kassen, die einen schlanken Verwaltungsapparat haben und gut organisiert sind. Schwierigkeiten haben hauptsächlich Kassen von KMU's mit einer Handvoll Angestellten, weil denen die Anlagemöglichkeiten fehlen. Dann bleiben noch die Sammelstiftungen bei den Versicherungen, und da wird schlicht zuviel in die eigene Tasche gewirtschaftet, und der Versicherte als Milchkuh betrachtet. Ich hatte das BVG gut 20 Jahre lang bei der nach der zweitgrössten Stadt im Kt. ZH benannten Versicherung. In den guten Börsenjahren habe ich nie in irgendeiner Weise profitiert; als dann die ersten Einbrüche kamen, wurden die Beitäge erhöht, der Zins gesenkt etc. Als ich da ausgetreten bin, habe ich unwesentlich mehr Geld in die neue Pensionskasse mitnehmen können, als was der Arbeitgeber und ich selbst einbezahlt haben. Die Zinsen flossen alle - ja wohin eigentlich???
Wenn es jetzt dazu kommt, dass die unrentablen Kleinkassen und die gebührengierigen Grossversicherungen das Geschäft an ihre leistungsfähige Konkurrenz abgeben müssen, kann das doch nicht schlecht sein.
Zudem gibt es ja auch Kassen, die über Leistungsprimat, nicht über Beitragsprimat versichern. Für sie ändert sich durch solche Abstimmungen ja in keiner Richtung was. Wie finanzieren die sich denn, wenn die Umwandlungssätze angeblich so utopisch sein sollen? Meine bezahlt immerhin 7,2% wenn ich 65 bin.
Das ganze BVG ist einfach völlig intransparent, und jeder Arbeitnehmer täte gut daran, sich vor Antritt einer neuen Stelle die Pensionskasse des zukünftigen Arbeitgebers ganz genau anzuschauen, wenn er nicht riskieren will, tausende von Franken zu verschenken.
Diese ganze Angstmacherei erinnert mich an die Schweinegrippe. Dort profitierte die Pharmalobby, jetzt sollten es die Versicherungen sein. Hat halt nicht geklappt.

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